Wie fotografiere ich?

Wenn ich meinen Stil beschreiben soll – sollte ich mich lösen von Worten, auflösen in Bildern, Gerüchen, Erinnerungen – Zeitlosigkeit.
Ich höre Musik, das Vorspiel von Parsifal, den zweiten Satz von Bruckners Achter, Max Richters Filmbegleitungen, das Regnen des Wassers auf die Erde, das Wehen herbstlicher Winde.

Dann sehe ich den Menschen und der Drang, ihn in die ihm zupassenden Elemente einzubetten, entsteht und ich beginne im Kopf eine Bühne für diesen einen Menschen zu entwerfen, zu bauen, mit Licht zu beleben, und ich probe in Gedanken ein für ihn geschriebenes Stück, und ich probe es mit ihm in der Freiheit des eigenen fantastischen Sinnens.
Und dann, wenn ich ihm begegne, dem Menschen, und das sind sie: Menschen, und das hat eine tiefe Bedeutung, dann hoffe ich, dass ein Universum das fertige Werk wiederholt und ich beobachte nur noch, verwundert, dass der Mensch die Proben vergessen hat, deren Teil er doch nicht war. Und ich beobachte und versuche das Gewirr an Skizzen und übriggebliebenen Aufführungsideen ihm zu erklären, versuche, ihn zu sehen, versuche zu kontrollieren, ob ich ihn sehe, ob meine Inszenierung die Richtige war, sie in sich schlüssig war und ist und bleibt.

Wenn alles dies glückte, dann erhebt es den Menschen über sich und er lächelt innen, ganz leise, und sieht sich ohne Furcht.