Mein emotionales CV

Jedenfalls für meine andere Berufung, die Fotografie

Ich fotografiere seit meinem sechsten Lebensjahr.
Unfassbar. Diese erlebte Zeit!
Meine ersten Aufnahmen machte ich vom Hinterhof meiner ersten Schulkameradin.
Nicht falsch verstehen: Es war wirklich der Hinterhof des Geschäfts ihrer Eltern. “Pelz Braun”; mit Schaukel. Sie schenkte mir auch meinen ersten außerfamiliären Kuss. Das war beim Schaukeln in einer Waschschüssel.
Einer großen ovalen aus Kunststoff. Siebzigerblau. Wir schaukelten abwechselnd. Wir hatten ja sonst nichts. Wir waren früh kreativ.

Später – irgendwo zwischen meinem achten und elften Lebensjahr war ich bei einem Fotolaborkurs für Kinder. Wahrscheinlich initiiert von meinem Vater, der selbst ein Leben lang hervorragend fotografierte.
Ich habe alles vergessen, was ich in diesem Kurs lernte.

Später – schenkte mir meine Mutter meine erste Spiegelreflexkamera; eine “Revue”. Ich liebte sie und fotografierte Bäume. Die liebte ich auch.
Das tue ich noch. Ich werde hoffentlich mal neben einem
begraben.

Später – kam mein Mentor und sagte, ich solle seine Werke fotografieren. Er war Oberspielleiter am Theater, ich lernte so viel über Theater bei ihm und so viel bei anderen Größen, die heute kaum einer mehr kennt.
Ich wurde Sänger, Regisseur und Ausstatter.

Später – fotografierte ich die ersten Choreographien.
Selbst durch eine Tanzausbildung gegangen, erkannte ich schnell die Magie dieser Sparte, der sie ausübenden Menschen.

Und schließlich, in München, wurde ich Dauergast beim Bayerischen Staatsballett. Nun, unterdessen, erfahren in der Tanzfotografie, anerkannt, belobigt, bin ich stolz darauf, diese großartige, lebendige, menschachtende
und so unbeschreibbar wundervolle Welt begleiten zu dürfen.

Aus der Theaterfotografie wurde schließlich das Interesse, Menschen persönlich zu fotografieren. Aber es gibt keine Einschränkung im Tun: Hochzeiten, Schwangerschaften und was das Leben sonst bietet ist genauso festhaltenswert wie zum Beispiel auch Mode. Portraits und künstlerische Serien sind beeinflusst von der theatralischen Ästhetik. Wichtig ist und bleibt für mich bei der Fotografie auch, dass die Bilder stets durch den Sucher entstehen und unbearbeitet bleiben bzw. nur entwickelt werden; Reinigung und ganz selten ein vorsichtiges Beschneiden gestattete ich mir.

Besonders wichtig ist beim Fotografieren für mich die Erkenntnis, dass gute Bilder nur entstehen, wenn ich das, was ich fotografiere, in dem Moment „liebe“ oder es schaffe, es lieben zu lernen. Dann ist der Apparat nur noch der Mittler, der die geistige Verbindung zum fotografierten Subjekt oder Objekt abbildet.